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Wenn der Po juckt: Was du über Madenwürmer wissen solltest

Jun 16, 2025
7 min read

Updated: Oct 9




Madenwürmer (Enterobius vermicularis) sind bei Kindern weit verbreitet und lassen sich gut behandeln. Mit dem richtigen Wissen kannst du dein Kind wirksam behandeln und eine erneute Ansteckungen verhindern.


Eine Infektion mit Madenwürmern ist keine Frage mangelnder Hygiene. Die Eier sind allgegenwärtig, vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen. Offener Umgang, sachliche Information und konsequentes Handeln helfen deinem Kind und eurer Familie.




©Mylittlesprout
©Mylittlesprout


  1. Was sind Madenwürmer?

Madenwürmer sind weisse, fadenförmige Rundwürmer (Fadenwürmer) von etwa 0,5 bis 1 cm Länge. Sie leben ausschließlich im Dickdarm des Menschen. Nachts wandern die fertilen Weibchen zum After und legen dort ihre Eier ab. Genau das verursacht den typischen Juckreiz rund um den Po.



  • Weltweit sind mehr als eine Milliarde Menschen befallen.

  • In Europa stecken sich rund 20% der Kindergarten- und Grundschulkinder an.

  • In Deutschland zeigen Studien Befallraten von 2 bis 30 Prozent, je nach Region.

  • Die Dunkelziffern sind wesentlich höher, insbesondere bei den Menschen ohne Symptome



    Am häufigsten sind Kinder im Alter von 4 - 11 Jahren betroffen, hier sind Nägelkauen, und unkontrollierte Anal-Finger-Mund-Kontakte wichtige Risikofaktoren.



  1. Wie steckt man sich an?

Madenwürmer verbreiten sich durch fäkal-orale Schmierinfektion:


  • Kratzt sich dein Kind am Po, gelangen winzige Eier unter die Fingernägel.

  • Die Eier sind robust und überleben bis zu drei Wochen auf Oberflächen wie Bettwäsche, Spielzeug oder Türklinken.

  • Werden sie über die Hände wieder in den Mund befördert, beginnt der Zyklus von vorn.

  • Kinder können sich selbst immer wieder neu anstecken, man spricht von Autoinfektion.

  • Besonders in Kitas, Schulen oder größeren Familienhaushalten verbreiten sich Madenwürmer rasch.



  1. Können sich Eltern anstecken?

Ja, auch Erwachsene können sich anstecken, vor allem bei engem Kontakt im Alltag. Besonders betroffen sind Eltern, Geschwister oder Erzieher*innen. Bei Erwachsenen verläuft eine Infektion oft symptomarm.



  1. Symptome - Wie merkst du, dass dein Kind Madenwürmer hat?

Der wichtigste Hinweis ist nächtlicher Juckreiz am After. Weitere Anzeichen können sein:


  • Unruhiger Schlaf und morgendliche Müdigkeit

  • Zähneknirschen und gelegentlich Bettnässen

  • Sichtbare, weiße Würmer in Unterwäsche oder Stuhlgang

  • Bauchschmerzen, Übelkeit oder Verstopfung (eher bei starkem Befall)



  1. Was passiert im Körper?

  1. Aufnahme der Eier im Mund und Schlucken

  2. Die Eier schlüpfen im Dünndarm

  3. Wanderung der Larven in den Dickdarm, wo sie sich weiterentwickeln

  4. Nach etwa vier Wochen geschlechtsreif, Weibchen wandern nachts an den After

  5. Eiablage und anschließender Absterbens des Weibchens

  6. Zyklus von vorn bei neuer Aufnahme der Eier



In seltenen Fällen können Würmer auch in den Genitalbereich, das bleibt aber die Ausnahme.



  1. Wie werden Madenwürmer nachgewiesen?

Das Entdecken der Würmer ist der beste Nachweis, ansonsten richten sich die meisten Ärzte an die Symptome.


Der sicherste Nachweis, aber nicht von allen Praxen durchgeführt, ist der sogenannten Klebestreifen-Test. Dabei wird morgens, noch vor dem Waschen oder Toilettengang, ein durchsichtiges Klebeband auf die Haut um den After gedrückt und anschließend im Labor unter dem Mikroskop untersucht. Da die Eiablage nicht täglich erfolgt, wird empfohlen, den Test an drei aufeinanderfolgenden Tagen durchzuführen. Die Sensitivität steigt dadurch auf über 90 Prozent. Stuhlproben sind hingegen nicht geeignet.



  1. Wann solltest Du euren Kinderarztpraxis kontaktieren?

Bei sicherem Nachweis, also gesichteten Würmern, wird empfohlen dies medikamentös zu behandeln. Dein Kind muss in den meisten Fällen aber nicht in der Kinderarztpraxis vorstellig werden. Dies hängt von den Symptomen ab, und wie eure Praxis in diesem Fall vorgeht. Am besten einmal kontaktieren, Situation schildern und besprechen.  Viele Praxen stellen, meist nach einer Beratung direkt am Tresen, ein Rezept für Wurmmittel aus.



Es gibt auch rezeptfrei Mittel in der Apotheke. Siehe 9. Behandlung.



Der Kontakt zur Kinderarztpraxis ist sinnvoll bei:

  • nächtlichem Juckreiz am After

  • sichtbaren Würmern im Stuhl oder an der Unterwäsche

  • anhaltenden Beschwerden trotz Behandlung



  1. Was passiert, wenn man Madenwürmer nicht behandelt?

Unbehandelt können sich Madenwürmer über Wochen und Monate im Darm vermehrenm und es kann so ein dauerhafter Kreislauf entstehen. In der Regel kommt es dabei aber nicht zu gefährlichen gesundheitlichen Folgen. Die Symptome können jedoch sehr unangenehm werden und das Familienleben erheblich belasten.



Deshalb gilt: Auch wenn Madenwürmer medizinisch nicht bedrohlich sind, ist es sinnvoll, die Infektion zu behandeln, nicht nur zur Linderung der Beschwerden, sondern auch um eine Ansteckung im Familien- oder Gruppenalltag und Reinfektionen zu vermeiden.



  1. Behandlung

Für die Behandlung von Madenwürmern gibt es in Deutschland bisher keine Leitlinie oder Standards an die sich die Ärzte halten können. Aber es gibt Empfehlungen zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie.


Die Auswahl der Medikamente beruht auf langjähriger Erfahrung in der klinischen Praxis, wobei die Datenlage begrenzt ist. Viele Empfehlungen stammen aus älteren Studien mit kleinen Fallzahlen. Zwar zeigen neuere Daten eine hohe Wirksamkeit von Mebendazol und Co., jedoch fehlen oft große, randomisierte Studien speziell bei Kindern.



Das bedeutet: Die Behandlung orientiert sich an Erfahrungswerten, Empfehlungen und Plausibilität. Das macht sie nicht weniger sinnvoll, aber Eltern sollten wissen, dass dadurch unterschiedliche Empfehlungen ausgesprochen werden, z.B auch was die Medikamentendosis angeht. Laut der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektionlogie reicht hier im Gesamten eine Tablette aus. Hersteller der Medikamente mit Mebendazol (z.B. Vermox) empfehlen an drei Tag je 2xTabletten zu nehmen.



Fazit: Die Forschung in diesem Bereich hat Nachholbedarf. Die Kombination aus bewährter Medikation und konsequenter Hygiene ist aktuell der beste Weg. Nicht der initiale Therapieerfolg ist die Herausforderung, sondern die Vermeidung von erneuten Infektionen.



1. Medikamentöse Behandlung

Häufig eingesetzte Mittel sind:

  • Mebendazol (z. B. Vermox). Ab 2 Jahren. Das Medikament ist Rezeptpflichtig. Wirkt gegen den ausgewachsenen Wurm & sowie die Eier (ovozid).

  • Pyrviniumembonat (z. B. Molevac). Ab 4 Monate. Rezeptfrei. Wirkt nicht ovozid, nur gegen ausgewachsene Würmer. Kann den Stuhl verfärben. Dosis wird anhand des Körpergewichts ausgerechnet.



Die zweite Einnahme nach 14 Tagen wird empfohlen, und zwar aus einem klaren Grund: Wenn nach der ersten Einnahme noch Eier im Körper oder in der Umgebung vorhanden sind, können daraus in den folgenden Tagen neue Würmer schlüpfen, und die Infektion beginnt von vorn.



Daher wird standardmäßig empfohlen:

  • 1. Einnahme: beseitigt die erwachsenen Würmer

  • 2. Einnahme nach 14 Tagen: beseitigt die neu geschlüpften Würmer, bevor sie wieder Eier legen können



Bei hartnäckigem oder erneutem Befall - Kontaktiere deine Arztpraxis

  • Einsatz eines Pulsschemas mit Mebendazol:

    • 100 mg alle zwei Wochen über 16 Wochen

    • auch bei Haushaltsmitgliedern ohne Symptome empfohlen

    • Ziel: Unterbrechung des Infektionszyklus


    Diese Strategie wird v. a. bei rezidivierenden Infektionen trotz Hygiene und mehrmaliger Standardbehandlung empfohlen (Wendt et al., 2019).



2. Begleitende Hygienemaßnahmen

Ohne konsequente Hygiene kehren Madenwürmer oft zurück. Fachliteratur spricht von Rückfallquoten von bis zu 75 Prozent, wenn nur medikamentös behandelt wird.


Ziel: weniger Eier verschlucken und weitergeben


Folgende Maßnahmen sind empfohlen (für 14 Tage bis nach letzter MediGabe):


  • Morgens duschen oder Po mit warmem Wasser waschen

  • Unterwäsche, Schlafkleidung und Bettwäsche täglich wechseln und bei mindestens 60 Grad waschen

  • Nägel kurz schneiden und regelmäßig reinigen

  • Hände gründlich waschen, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Essen

  • Kuscheltiere regelmäßig waschen

  • Oberflächen, Toiletten, Lichtschalter und Türklinken regelmäßig mit Allzweckreiniger oder Seifenlauge feucht wischen (Desinfektion hilft hier nicht)um Eier physikalisch zu entfernen

  • Böden staubsaugen

  • gut sitzende Unterhose für die Nacht

  • Bettwäsche und Kleidung nicht ausschütteln

  • Wenn Möglich kein gemeinsames Schlafen im Bett, bis die Behandlung abgeschlossen ist



Besonders wichtig ist die Hygiene in der ersten Woche nach Medikamenteneinnahme, in dieser Zeit ist das Risiko für Reinfektionen am höchsten.



  1. Soll die ganze Familie behandelt werden?

Ob alle gleich ein Medikament bekommen sollten, wird etwas unterschiedlich empfohlen:

  • Manche Fachstellen raten bereits bei einem bestätigten Fall zur gleichzeitigen Behandlung des gesamten Haushalts.

  • Andere empfehlen dies besonders dann, wenn mehrere Familienmitglieder betroffen sind oder der Befall immer wiederkehrt.


Werden mehrere Personen mitbehandelt, sollten die Einnahme- und Wiederholungstermine aufeinander abgestimmt sein. So lässt sich verhindern, dass sich Familienmitglieder gegenseitig erneut anstecken.


Für jede Person muss dann geprüft werden, welches Mittel geeignet ist, besonders bei kleinen Kindern, Schwangeren und Stillenden.


Eine medizinisch empfohlene Mitbehandlung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt. 

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg weist darauf hin, dass eine Verordnung zulasten der GKV nur für tatsächlich befallene Personen (bis zum 12.LJ) erfolgen darf.


Und wenn noch gar nicht sicher ist, ob Dein Kind Würmer hat?

Bei einem begründeten Verdacht entscheidet die Kinderarztpraxis, ob eine weitere Diagnose sinnvoll ist oder aufgrund sehr typischer Beschwerden bereits eine Behandlung infrage kommt. Bauchschmerzen allein reichen dafür nicht aus: Sie können viele Ursachen haben. Bei unklaren Beschwerden sollte deshalb gezielt nach der Ursache gesucht werden, statt vorsorglich Wurmmittel zu geben.


Auch ein einzelner Madenwurmfall in der Kita bedeutet nicht, dass alle Kinder und Betreuungspersonen Medikamente benötigen. Hier stehen zunächst gute Händehygiene im Vordergrund.



  1. Wie lange dauert es, bis die Infektion weg ist?

Mit der richtigen Kombination aus Behandlung und Hygiene verschwinden die Beschwerden meist innerhalb weniger Tage. Trotzdem sollte die Hygieneroutine mindestens zwei Wochen beibehalten werden, solange können Eier überleben.


Ein Kontrolluntersuchung in der Kinderarztpraxis ist in der Regel nicht erforderlich, außer bei hartnäckigen Verläufen oder Rückfällen. Wenn nach zwei Behandlungszyklen weiterhin Symptome bestehen, ist eine Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sinnvoll.



  1. Muss mein Kind zu Hause bleiben?

In der Regel nicht. Kinder dürfen mit Madenwürmern weiter in die Kita oder Schule gehen, wenn die Behandlung begonnen hat, Hygienemaßnahmen durchgeführt werden und keine anderen Beschwerden wie Fieber oder Durchfall bestehen. Laut Infektionsschutzgesetz besteht keine Meldepflicht, aber ein respektvoller Umgang mit der Situation ist wichtig, um andere Familien zu schützen.





Aktualisierter Stand: 10/2026

Quellen/ Ressourcen:


  1. https://www.gesundheitsinformation.de/wuermer-bei-kindern-madenwuermer.html

  2. IQWiG – Würmer bei Kindern (Madenwürmer): Gesundheitsinformation.de

  3. Bundesgesundheitsportal – Madenwürmer (Enterobiasis). gesund.bund.de

  4. kindergesundheit-info.de: Madenwürmer bei Kindern. Elterninformation

  5. kindergesundheit-info.de: Wurmerkrankungen vorbeugen und behandeln. Alltagstipps

  6. Vermox 100 mg Tabletten: deutsche Fachinformation. PDF

  7. Molevac Suspension: InfectoPharm. Gebrauchsinformation

  8. Helmex Suspension: InfectoPharm. Produktseite mit Gebrauchsinformation

  9. Tropeninstitut.de: Madenwurmbefall / Oxyuriasis: Madenwurmbefall

  10. Ärzteblatt: https://www.aerzteblatt.de/fachgebiete/allgemeinmedizin/diagnostik-und-therapie-des-madenwurmbefalls-68f6dbdb-50e3-44cb-8c62-1efddc24ccc8

  11. Kassenärztliche Vereinigung: https://www.kvbb.de/praxis/aktuelles/news-detail/meldung-verordnung-bei-madenwurmbefall-oxyuriasis

  12. Ärzteblatt: https://www.aerzteblatt.de/fachgebiete/allgemeinmedizin/diagnostik-und-therapie-des-madenwurmbefalls-68f6dbdb-50e3-44cb-8c62-1efddc24ccc8

  13. https://www.kvbb.de/praxis/aktuelles/news-detail/meldung-verordnung-bei-madenwurmbefall-oxyuriasis

  14. https://www.msdmanuals.com/de/profi/infektionskrankheiten/nematoden-rundwürmer/madenwurminfektion

  15. https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/wuermer/madenwuermer/

  16. https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/alltagstipps/wuermer/vorbeugen-behandeln



  • Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI) et al.: 2018. DGPI Handbuch. Teil 4 Erregerbezogene Krankheiten. 67 Enterobiasis.

  • Wendt S, Trawinski H, Schubert S, Rodloff AC, Mössner J, Lübbert C. Diagnostik und Therapie des Madenwurmbefalls. Deutsches Ärzteblatt. 2019; 116(13): 213–219. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0213. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0213.

  • Leung AKC et al. Pinworm (Enterobius Vermicularis) Infestation: An Updated Review. Current Pediatric Reviews. 2025;21(4):333–347; online erstmals 2024 veröffentlicht. DOI: 10.2174/0115733963283507240115112552.

  • Renuka Devi AV, Selvaraj V, Venkat BS, Kandasamy V. Comparison of Efficacy of Albendazole, Mebendazole and Pyrantel Pamoate in Achieving Remission and Preventing Recurrence of Enterobius vermicularis Infestation in Children: A Randomised Controlled Trial. Indian Pediatrics. 2026;63:501–506. DOI: 10.1007/s13312-026-00303-w.

  • Devi TP, Arun Babu T. Methodological Concerns in the Randomized Trial Comparing Antihelminthics for Enterobiasis. Indian Pediatrics. 2026;63:454.DOI: 10.1007/s13312-026-00337-0.

  • Reece SE, Prior KF, Mideo N. The Life and Times of Parasites: Rhythms in Strategies for Within-host Survival and Between-host Transmission. Journal of Biological Rhythms. 2017;32(6):516–533.

    DOI: 10.1177/0748730417718904.

  • Cook GC. Enterobius vermicularis infection. Gut. 1994;35(9):1159–1162.

    DOI: 10.1136/gut.35.9.1159.


 
 
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