Stelle Dir eine Welt ohne HPV-bedingten Krebs vor – Die Bedeutung einer frühen HPV-Impfung im Alter zwischen 9 und 14 Jahren
- Johanna

- 8. Juli 2025
- 4 Min. Lesezeit
Stelle Dir eine Zukunft vor, in der bestimmte HPV-bedingte Krebsarten so selten werden, dass sie fast verschwinden. Diese Vision ist nicht nur Hoffnung; sie ist mit der HPV-Impfung erreichbar. Sie ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, Dein Kind heute für ein gesünderes Morgen zu schützen.

Was ist HPV und warum ist eine HPV-Impfung wichtig?
Das humane Papillomavirus (HPV) ist eine der weltweit am häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Es verbreitet sich durch engen Hautkontakt, nicht nur beim Geschlechtsverkehr, sondern auch durch intime Berührungen oder Petting.
Die meisten Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit mindestens einem HPV-Typ, oft ohne es zu merken. In vielen Fällen heilt der Körper die Infektion von selbst aus; etwa 90 Prozent verursachen keine Probleme. Manchmal bleibt das Virus jedoch im Körper.
Bestimmte Hochrisikotypen von HPV können zu Gebärmutterhals-, Penis-, Anus-, Mund- oder Rachenkrebs führen. Niedrigrisikotypen können Genitalwarzen verursachen, die zwar nicht lebensbedrohlich, aber unangenehm und belastend sein können.
Weltweit sind die HPV-Typen 16 und 18 für rund 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen verantwortlich. Die Typen 6 und 11 verursachen vor allem Genitalwarzen. Die gute Nachricht ist, dass die heute zugelassenen Impfstoffe diese häufigen Hochrisiko- und Niedrigrisikotypen wirksam abdecken. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass nicht alle HPV-Typen durch die aktuellen Impfstoffe abgedeckt sind.
Bewährter Schutz
Weltweite Studien zeigen, dass das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs und anderen HPV-bedingten Erkrankungen zu erkranken, bei Kindern deutlich sinkt, wenn sie frühzeitig geimpft werden.
Eine schwedische Studie ergab beispielsweise, dass Mädchen, die vor dem 17. Lebensjahr geimpft wurden, ein viel geringeres Risiko für invasiven Gebärmutterhalskrebs hatten.
Länder wie Australien erzielen dramatische Ergebnisse: Ein schulweites Impfprogramm erreichte über 70 Prozent der 12- bis 13-jährigen Kinder. Das Ergebnis? Ein Rückgang der Zahl neuer Genitalwarzen bei geimpften Mädchen um 73 Prozent.
Ein großer Gewinn für die zukünftige Gesundheit
Durch frühzeitige Impfungen könnten wir die Zahl künftiger Fälle von Gebärmutterhalskrebs und anderen HPV-bedingten Krebserkrankungen um über 60 Prozent senken. Internationale Experten gehen davon aus, dass Gebärmutterhalskrebs in Gebieten mit konsequenter Impfung innerhalb weniger Jahrzehnte nahezu verschwinden könnte. Das ist ein bedeutender Fortschritt für kommende Generationen und ihre Gesundheit.
Warum eine frühzeitige Impfung so wichtig ist
Die HPV- Impfung ist am wirksamsten, wenn sie vor dem Kontakt mit dem Virus verabreicht wird. Deshalb empfehlen Experten, darunter auch die Ständige Impfkommission (STIKO), alle Kinder, Mädchen und Jungen, idealerweise im Alter zwischen 9 und 14 Jahren, zu impfen.
Das Immunsystem jüngerer Kinder reagiert besonders gut auf die Impfung und bildet einen starken und langanhaltenden Antikörperschutz. Ist ein Kind einmal infiziert, kann die Impfung die Infektion nicht mehr rückgängig machen. Daher ist der Schutz umso besser, je früher die Impfung erfolgt.
Auch Jungen brauchen Schutz!
HPV betrifft nicht nur Mädchen. Auch Jungen können HPV-bedingte Krebserkrankungen wie Penis-, Anal- oder Mund- und Rachenkrebs entwickeln. Geimpfte Jungen tragen zudem dazu bei, die Verbreitung von HPV in der Bevölkerung zu verringern und so alle zu schützen.
Was könnt ihr als Eltern tun?
Sprecht mit eurer Kinderarztpraxis, um zu schauen, wann Dein Kind die HPV-Impfung erhalten sollte.
Wenn Dein Kind noch nicht geimpft ist, holt die Impfung so schnell wie möglich, spätestens bis vor dem 18. Geburtstag nach.
Je früher, desto besser.
Teile Dein Wissen mit anderen Eltern. Jedes geimpfte Kind ist ein weiterer Schritt in Richtung einer Welt mit weniger Krebs.

Ein realistischer Ausblick
Länder wie Australien zeigen uns , was möglich ist: eine Zukunft mit dramatisch niedrigeren Gebärmutterhalskrebs- und Genitalwarzenraten dank einer hohen Impfrate.
Ja, es gibt weiterhin Herausforderungen: Die Impfraten sind nicht überall gleich. In manchen Regionen ist der Zugang eingeschränkt, und Mythen oder Fehlinformationen halten Eltern davon ab, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Die HPV-Impfung zählt zu den sichersten und am besten erforschten Impfstoffen weltweit. Sie ist ein einfacher Schritt und bietet starken, langanhaltenden Schutz vor einigen der gefährlichsten HPV-Typen – sowohl für Mädchen als auch für Jungen.
Mit der Entscheidung für eine HPV-Impfung gibst Du Deinem Kind die Chance auf eine gesündere Zukunft.
Stand 07/2025
Siehe auch HPV-Impfung:
Ressourcen
STIKO (Ständige Impfkommission)
Empfehlungen zur HPV-Impfung für Mädchen und Jungen ab 9 Jahren. Robert Koch-Institut.
Robert Koch-Institut – Impfabdeckungsbericht 2024/2025
Aktuelle Daten zur HPV-Impfrate in Deutschland.
Gesundheitsamt Bremen
Modellprojekt: Schulimpfprogramm und Evaluation.
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Globale Strategie zur Ausrottung von Gebärmutterhalskrebs.
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