Fieber bei Babys, Kindern und Jugendlichen - Fiebermanagement nach S3-Leitlinie (2025)
- Johanna

- 4. Nov. 2024
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Fieber gehört zu den häufigsten Gründen, warum Eltern ärztlichen Rat suchen. Rund 70% aller pädiatrischen Arztkontakte stehen im Zusammenhang mit erhöhter Temperatur. Und gleichzeitig ist Fieber eines der Symptome, die am meisten verunsichern:
Wie hoch ist zu hoch?
Muss ich das Fieber senken?
Wann ist es gefährlich?
Die gute Nachricht: Die aktuelle S3-Leitlinie zum Fiebermanagement schafft seit 2025 eine klare, wissenschaftlich fundierte Orientierung – nicht nur für Fachpersonen, sondern ausdrücklich auch für Eltern.
Die wichtigste Botschaft vorweg: Fieber ist in den meisten Fällen keine Gefahr, sondern eine natürlich, sinnvolle und wichtige Reaktion des Körpers auf Krankheitserreger. Es kann aus verschiedenen Gründen auftreten, beispielsweise bei Virusinfektionen, bakteriellen Infektionen, Reaktionen nach Impfungen und anderen Erkrankungen. Hier findest Du Informationen, die Dir helfen werden, Fieber bei Kindern und Babys zu verstehen und zu behandeln.

1. Woran Du erkennst, dass Dein Kind Fieber hat
Fieber zeigt sich nicht nur auf dem Thermometer. Häufig bemerkst Du zuerst Veränderungen im Verhalten Deines Kindes:
Müdigkeit, geringere Belastbarkeit, Quengeligkeit, allgemeines Unwohlsein
warme Haut, gerötetes Gesicht
zu Beginn des Fieberanstiegs: kalte Hände und Füße, können bläöulich erscheinen
Während Temperatursenkung: Schwitzen bis starkes schwitzen
Ganz wichtig laut Leitlinie: Der Allgemeinzustand Deines Kindes ist wichtiger als die Zahl auf dem Thermometer. Ein Kind mit 39°C, das trinkt, reagiert und Nähe sucht, ist oft stabiler als ein apathisches Kind mit niedrigerer Temperatur.
2. Wie misst man die Körpertemperatur richtig?
Säuglinge (0–12 Monate): rektale Messung ist am zuverlässigsten
Kinder ab etwa 1 Jahr: Ohrthermometer
Jugendliche: orale Messung möglich, aber störanfällig
Nicht empfohlen, da zu ungenau:
Stirn- oder Schläfenthermometer
Achselmessung
Diese Methoden sollten nicht zur alleinigen Beurteilung genutzt werden. Wie geht es deinem Kind dabei? Wie ist der Allgemeinzustand? Gibt es weitere Symptome?
3. Was Fieber ist, und warum es sinnvoll sein kann
Fieber ist Teil der Immunantwort. Der Körper erhöht gezielt die Temperatur, um Krankheitserregern die Vermehrung zu erschweren und das Immunsystem zu aktivieren.
Normale Körpertemperatur: 36,5 °C – 37,5 °C
Höhere Temperatur: 37,6 °C – 38,4 °C
Fieber: >38,5°C (bei Neugeborenen > 38,0°C)
Der menschliche Körper kann Fieber bis zu 41°C effektiv bekämpfen.
Wichtig ist: Entscheidend ist nicht die Höhe des Temperatur, sondern wie sich Dein Kind insgesamt entwickelt. Ein Kind mit 40.5°C ist nicht gleich kränker, als ein Kind mit 38.5°.
4. Dauer des Fiebers
Bei den meisten Infektionen dauert das Fieber ungefähr 3-5 Tage und sinkt dann von selbst, weil das Immunsystem deines Kindes die Erreger erfolgreich bekämpft.
Manche Kinder fiebern etwas kürzer, andere etwas länger, das ist ganz normal. Wichtig ist, dass du auf das Allgemeinbefinden deines Kindes achtest. Wenn das Fieber sehr lange anhält oder dein Kind sich trotz sinkender Temperatur nicht besser fühlt, hole dir ärztlichen Rat.
5. Das Fieber begleiten und ggf. behandeln
Fieber an sich ist nicht gefährlich, und muss nicht automatisch gesenkt werden. Viel wichtiger ist es, Dein Kind gut zu unterstützen.
Was Deinem Kind jetzt hilft:
Sorge für eine angenehme Umgebung
Ruhe bewahren
Beobachte Dein Kind aufmerksam, messe die Temperatur regelmässig aber nicht ständig und schreibe diese auf.
Schlaf und Ruhe
Nähe, Trost und Sicherheit
angenehme Raumtemperatur
leichte Kleidung ohne Wärmestau
regelmäßige Flüssigkeitszufuhr
Vorbeugung von Dehydration, insbesonere bei Babys und Kleinkindern: Achte darauf, dass dein Kind genug trinkt, da sie schnell austrocknen können und im Falle einer Dehydration möglicherweise sofortige medizinische Hilfe brauchen. Die Windeln sollten regelmäßig nass sein, bzw. dein Kind sollte regelmäßig zur Toilette gehen.
Bitte nicht:
Kind fast vollständig ausziehen, um das Fieber zu „kühlen“
Nicht in eine Kalte Badewanne setzen oder kalt abduschen!
6. Wadenwickel - sinnvoll oder nicht?
Die Leitlinie sagt klar:
nur sinnvoll, wenn Dein Kind warme Hände und Füße hat
nur bei deutlich spürbarem Unwohlsein
Wickel müssen körperwarm, nicht kalt sein
Wadenwickel:
Wadenwickel mit lauwarmem Wasser.
Feuchter, lauwarmer Waschlappen auf der Stirn und um die Waden.
Wickel nach 10 Minuten wechseln.
7. Wann sollten fiebersenkende Medikamente eingesetzt werden?
Ein zentraler Punkt der Leitlinie: Nicht die Temperatur entscheidet, sondern das Befinden Deines Kindes. Geht es deinem Kind insgesamt gut, musst du nicht sofort Medikamente verabreichen. Fiebersenkende Medikamente werden hauptsächlich zur Linderung der Beschwerden und nicht zur Senkung der Körpertemperatur eingesetzt.
Wichtig:
Dosierung immer nach Körpergewicht, nicht nach Alter
keine Kombination oder alternierende Gabe ohne ärztliche Rücksprache
nicht häufiger als empfohlen (siehe Packungsbeilag)
keine prophylaktische Gabe, auch nicht rund um Impfungen
→ Ausnahme: STIKO-Empfehlung bei Meningokokken-B-Impfung
Medikamente der Wahl:
Paracetamol
Ibuprofen
Sie gibt es als Saft, Zäpfchen oder Tabletten.
Nicht erlaubt:
Acetylsalicylsäure (ASS) bei Kindern unter 12 Jahren (Gefahr des Reye-Syndroms. Dies ist eine schwere Erkrankung, die Leber und Gehirn betrifft und lebensgefährlich sein kann.)
!!!Sei vorsichtig, wenn Du Deinem Kind rezeptfreie Medikamente gibst. Nicht alle Medikamente sind für Kinder jeden Alters geeignet. Frage Eure*n Ärztin/Arzt oder Apotheker/in, sowie nach der richtigen Dosierung.
8. Wann solltest Du ärztlichen Rat suchen?
Der Zeitpunkt für die Inanspruchnahme medizinischer Hilfe hängt vom Alter Deines Kindes und seinem Gesamtzustand ab. Unabhängig von der Temperatur gilt: Bestimmte Warnzeichen müssen immer abgeklärt werden.
Sofortige Abklärung bei:
Bewusstseinsveränderungen
Atemnot
blasser, grauer oder fleckiger Haut
Hauteinblutungen (Petechien)
schrillem oder unstillbarem Schreien
Zeichen starker Austrocknung
Nackensteifigkeit, starke Kopfschmerzen
anhaltendem Erbrechen oder Durchfall
Hohes Fieber (über 41 °C), das rasch steigt
Ohnmacht oder Fieberkrampf. Rufe den Notruf 112 bei Fieberkrampf oder wenn Dein Kind nicht ansprechbar ist.
Für Babys unter 1 Jahr:
unter 3 Monaten: jede rektale Temperatur ≥ 38,0°C ärztlich abklären
unter 1 Jahr: Fieber am selben Tag ärztlich beurteilen lassen
Für Kinder über 1 Jahr:
Wenn Dein Kind älter als 1 Jahr ist und ansonsten gesund erscheint, kannst Du das Fieber zu Hause zu behandeln.
Die genaue Temperatur allein ist nicht entscheidend für das weitere Vorgehen.
Wichtig ist immer zu schauen, wie geht es deinem Kind, gibt es einen Grund, und muss dieser Grund behandelt werden.
Kinder aller Altersgruppen:
Wenn sich Dein Kind sehr krank wirkt
Fieber sinkt trotz fiebersenkender Maßnahmen nicht
Dein Kind fühlt sich dauerhaft sehr unwohl
Sie Ursache des Fiebers unklar bleibt
Hautausschlag
Atembeschwerden, erschwerte Atmung.
Fieber + Ohrenschmerzen bei unter 2 Jährigen
wenn Fieber länger als 3–5 Tage anhält
wenn Dein Bauchgefühl Dir sagt, dass etwas nicht stimmt.
Wochenende/Nächte: Das Fieber ist sehr hoch und ich mache mir Sorgen – was kann ich tun?
Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
Diese Hotline bietet medizinische Unterstützung in nicht lebensbedrohlichen Situationen. Ein Team von Fachkräften hört sich Deine Sorgen aufmerksam an, gibt wertvolle Ratschläge und berät, ob der Zustand Deines Kindes zu Hause behandelt werden kann oder ein Arztbesuch erforderlich ist.
9. Was passiert beim Arzt?
Anamnese: Fieberverlauf, Trinkmenge, Begleitsymptome, Vorerkrankungen
Körperliche Untersuchung: Atmung, Kreislauf, Ohren, Rachen, Bauch, Haut, Lymphknotenschwellung
Bei Bedarf weitere Diagnostik: Urin, Blut, Abstriche, Ultraschall
Behandlung:
Virusinfekte: symptomorientiert, Geduld, bis der Körper die Erreger selbst bekämpft hat.
Bakterielle Infekte: Antibiotika nur bei klarer Indikation → Fieber allein ist kein Grund für ein Antibiotikum
In seltenen Fällen kann ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein, zum Beispiel, wenn dein Kind stark dehydriert ist oder eine ernste Ursache vermutet wird. Dein Arzt oder deine Ärztin wird dich hierzu beraten und die beste Entscheidung für dein Kind treffen.
10. Rekonvaleszenz – Erholung gehört zur Heilung
Die Leitlinie empfiehlt: Dein Kind sollte mindestens 24 Stunden fieberfrei und wieder belastbar sein, bevor es in Kita oder Schule zurückkehrt.
Die Behandlung von Fieber kann für Eltern eine beunruhigende Zeit sein. Denke daran, Pausen einzulegen und ausreichend zu trinken, während Du dich um Dein Kind kümmerst.
Stand 01/2026
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