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Mein Kind kratzt sich am Po, aber Würmer sind es nicht - Was hinter Afterjucken bei Kindern stecken kann.

  • Autorenbild: Johanna
    Johanna
  • 12. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn Dein Kind sich immer wieder am Po kratzt, unruhig sitzt oder sagt, dass es „da unten juckt“, schießt vielen Eltern sofort ein Gedanke durch den Kopf:

„Bitte keine Würmer.“


Diese Sorge ist absolut verständlich. Gleichzeitig zeigt die medizinische Erfahrung etwas Beruhigendes: In den meisten Fällen steckt keine ernste Erkrankung dahinter, und oft auch keine Würmer.


Afterjucken (Pruritus ani), ist bei Kindern ein häufiges Symptom und hat viele mögliche Ursachen. Gerade diese Haut ist besonders empfindlich und reagiert schnell auf Reizung, Feuchtigkeit oder kleine Veränderungen.


Wichtig: Juckreiz ist ein Signal des Körpers, keine Diagnose.



Po Kratzen Kind
©Mylittlesprout


  1. Die häufigsten Ursachen bei Kindern die sich am Po kratzen


    1. Verbleibende Stuhlreste nach dem Toilettengang, oder wenn kleine Mengen unbemerkt austreten (Stuhlschmieren), Stuhl zurück halten


    2. Feuchte Haut und Reibung


    3. Häufiges oder kräftiges Abwischen


    4. Zu viel Hygiene: feuchtes Toilettenpapier mit Duftstoffen; Seifen oder Waschlotionen im Intimbereich


    5. Verstopfung, harter Stuhlgang, dadurch Analfissuren - kleine Einrisse in der Schleimhaut


    6. Reiz-Allergie-Kontaktdermatitis: durch Duftstoffe auf Toilettenpapier, Pflegemittel, Synthetische Kleidung, Waschmittel etc.


    7. Nahrungsbedingte Ursache: sehr scharfe oder stark gewürzte Speisen, säurehaltige Lebensmittel, Zitrusfrüchte, stark zuckerreiche Ernährung, die Durchfall begünstigt


    8. Pilzbefall (Mykose): Begünstigt durch anhaltende Feuchtigkeit, eine kürzlich erfolgte Antibiotikatherapie, vorgeschädigte oder sehr empfindliche Haut. Typisch sind stark gerötete, scharf begrenzte, oft glänzende Haut, kleine rote Pünktchen am Rand der Rötung. Die Behandlung erfolgt gezielt mit Antipilz-Cremes nach ärztlicher Abklärung.


    9. Auch Hauterkrankungen können beteiligt sein, z.B.: atopische Dermatitis (Neurodermitis), perianale Ekzeme. Typisch sind: Rötung, schuppige oder verdickte Haut, manchmal nässende Stellen.


    10. Selten: Schuppenflechte, Lichen sclerosus (Chronische Hauterkrankung)


    11. Psychisch oder emotionale Faktoren: Stress, Anspannung, Druck können Juckreiz verstärken


    12. oder doch Würmer? >>>Lies hier über Würmer bei Kindern<<<




  1. Was hilft deinem Kind, wenn der Po kratzt?


Ziel ist Schutz und Beruhigung der Haut, nicht Überpflege

-Haut entlasten - schützen - Kratz-Kreislauf unterbrechen-


  • Weniger ist hier oft mehr

  • Nach dem Stuhlgang, sanfte Reinigung mit lauwarmem Wasser

  • Weiches Toilettenpapier oder feuchte Watte zur Reinigung

  • Haut gut trocknen lassen oder vorsichtig trocken tupfen

  • Lockere Baumwollunterwäsche

  • Nägel kurz halten

  • 1–2x täglich eine unparfümierte Schutzcreme dünn auftragen >>>lies mehr im folgenden Abschnitt

  • Nachts ggf. leichte Baumwollhandschuhe


    Vermeide:

  • Duft in Pflegeprodukten, keine Seife im Analbereich

  • Feuchtes Toilettenpapier wegen allergischer Reaktionen auf chemische Zusatzstoffe in den Tüchern

  • Schaumbad oder Intimwaschprodukte

  • Scharfes Essen, Salziges, Nüsse, Schokolade, Milchprodukte oder Zitrusfrüchte sowie, bei älteren Kindern koffein- und alkoholhaltige Getränke



Stuhlgang im Blick behalten

  • auf weichen, regelmäßigen Stuhlgang achten

  • ausreichend trinken und Bewegung fördern



  1. Wann ist Cremen bei Kindern sinnvoll?


Cremen kann helfen, wenn gezielt, kurzzeitig und mit den richtigen Produkten. Zu viel oder falsches Cremen kann den Juckreiz verstärken.


Wichtig: Dünn immer auftragen! Dicke Schichten verschließen die Haut zu stark.


Empfohlen wird Cremen vor allem bei:

  • gereizter, trockener oder geröteter Haut

  • irritativer Dermatitis (z.B. durch Stuhl, Feuchtigkeit, Reibung)

  • kleinen Hautrissen oder beginnenden Fissuren

  • Juck-Kratz-Kreislauf



Welche Cremes sind geeignet?


a. Barrierecremes – Gut belegt und sicher für Kinder.


Sie schützen die Haut vor Feuchtigkeit und Reizstoffen. Besonders hilfreich bei:

  • Feuchtigkeit

  • Leichtem Stuhlschmieren

  • Irritierter Haut


Geeignete Inhaltsstoffe sind:

  • Zinkoxid (dünn aufgetragen)

  • Panthenol

  • Fettcremes ohne Duftstoffe



b. Feuchtigkeitsspendende Basispflege


Sinnvoll bei trockener, empfindlicher Haut.

Ziel: Hautbarriere stabilisieren


Empfohlen werden:

  • Unparfümierte, hypoallergene Creme

  • Möglichst kurze Inhaltsstoffliste



c. Cremes mit Wirkstoffen - nach ärztlicher Empfehlung


Können helfen bei:

  • starkem Juckreiz

  • entzündeter Haut

  • ausgeprägtem Juck-Kratz-Kreislauf



Was sollte man vermeiden?


Nicht empfohlen sind:

  • Kombinationssalben „gegen alles“

  • Salben mit Duftstoffen oder ätherischen Ölen

  • Zink in sehr dicken, okklusiven Schichten

  • häufiges Wechseln verschiedener Cremes

  • langfristige Anwendung von Kortison ohne ärztliche Begleitung


Wichtig: Manche Kinder reagieren allergisch auf Cremes, dann verschlechtert sich der Juckreiz.



  1. Wann solltest Du Dein Kind ärztlich vorstellen?

Dringend abklären solltest Du:

  • Blut im Stuhl

  • eitrige Absonderungen

  • stark entzündete, verdickte Haut


Sinnvoll ist ein Arztbesuch, wenn:

  • der Juckreiz mehrere Tage anhält, und keine Besserung eintritt

  • die Rötung sehr ausgeprägt, scharf begrenzt oder schmerzhaft ist

  • sich die Haut sichtbar verändert

  • Schmerzen beim Stuhlgang

  • Nässende, offene oder sich verschlechternde Hautstellen entstehen

  • Dein Kind deutlich leidet oder schlecht schläft

  • zusätzlich Fieber oder Krankheitsgefühl auftreten



Viele Eltern haben Angst, „etwas falsch zu machen“. Doch bei Juckreiz gilt oft:

Schützen, beruhigen, beobachten, und nicht übertherapieren.





Stand: 01/2026

Ressourcen:




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