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Ständig Krank im ersten Kita-Jahr

  • Autorenbild: Johanna
    Johanna
  • 29. Sept. 2025
  • 7 Min. Lesezeit

Kaum hat Dein Kind die ersten Wochen in der Kita oder Tagespflege hinter sich, läuft die Nase unaufhörlich, nachts kommt Fieber, und gerade, wenn es besser wird, kündigt sich der nächste Infekt an. Für viele Familien ist das erste Kita-Jahr eine echte Zerreißprobe: Schlaflose Nächte, Sorgen um die Gesundheit und gleichzeitig der Druck, beruflich funktionieren zu müssen.


Die kurze Antwort: Ja, es ist normal. Das erste Jahr in der Krippe, bei der Tagesmutter oder im Kindergarten ist für Kinder eine "Immunschule". In diesem Beitrag gehen wir tiefer darauf ein und du erhältst alltagstaugliche Tipps.



Kita krank
© Mylittlesprout



Das Immunsystem im Training


  • Das Immunsystem eines Neugeborenen ist bei der Geburt noch nicht vollständig ausgereift.

  • Während der Schwangerschaft erhält das Kind über die Plazenta Antikörper der Mutter, die es in den ersten Lebensmonaten schützen. Nach der Geburt werden diese „geschenkten“ Abwehrstoffe nach und nach abgebaut.

  • Gleichzeitig beginnt das kindliche Immunsystem, eigene Abwehrzellen zu bilden und auf Krankheitserreger zu reagieren. Angeborene Schutzmechanismen sind bereits vorhanden, doch die spezifische Immunabwehr muss erst durch den Kontakt mit Keimen „trainieren“.

  • Jede Infektion ist daher eine wertvolle Übungseinheit für die körpereigene Abwehr.


Wie viele Infekte sind normal?

Im Kleinkindalter gelten rund 8 bis 12 Infekte pro Jahr als üblich, vor allem Atemwegsinfekte. Forschung zeigt seit langem, dass der Eintritt in die Betreuung die Zahl der Infekte deutlich erhöht. Das ist belastend, aber in den meisten Fällen harmlos.


Kita-Effekt: Kinder, die in Betreuung gehen, haben deutlich mehr Infekte. Studien zeigen: Im ersten Jahr in der Kita treten im Schnitt 7,2 Infekte auf, bei Kindern ohne Betreuung sind es nur 2,7–4,0. Wichtig: Das bedeutet nicht, dass Dein Kind „schwach“ ist, sondern dass es gerade intensiv lernt.


  • Diese Lernprozesse brauchen Begegnungen mit Viren und Bakterien. Ohne Infekte gäbe es kein starkes Immunsystem. Genau deshalb sind die vielen kleinen Infekte im Kita-Alter so etwas wie eine Pflichtübung für die Abwehrkräfte.

  • Gute Nachricht: Ab dem 2.–3. Kita-Jahr stabilisiert sich die Abwehr, Infekte werden seltener und verlaufen milder.



Häufige Erkrankungen im ersten Jahr nach Kita-Start


  1. Erkältungen der oberen Atemwege/ Bronchitis/ Husten

    Schnupfen, Husten, Heiserkeit, manchmal Fieber – meist harmlos, aber lästig.


  2. Fieber und 3-Tage-Fieber


  3. Magen-Darm-Infekte (Gastroenteritis)/ Bauchschmerzen

    Durchfall und Erbrechen können gefährlich werden, wenn Kinder zu wenig trinken. Achte besonders auf kleine Kinder: Nasse Windeln sind ein wichtiger Marker.


  4. Mittelohrentzündung (Otitis media)

    Häufige Folge von Erkältungen, kann sehr schmerzhaft sein. Wiederkehrende Episoden sind typisch im Kita-Alter. Unter 2 Jahren wird es mit Antibiotika behandelt.


  5. Hand-Mund-Fuß-Krankheit (HMFK)

    Fieber, Bläschen im Mund, Ausschlag an Händen und Füßen. Sehr ansteckend, aber selbstlimitierend.


  6. Kinderkrankheiten: Je nach Impfstatus treten Windpocken, Masern oder Scharlach auf – durch Impfungen heute deutlich seltener.


  7. Bindehautentzündung


Immunschwäche?


  • „Mein Kind ist ständig krank – ist das ein Immundefekt?“

    Nein. Nur wenn Infektionen ungewöhnlich schwer, langanhaltend oder selten sind, wird eine mögliche Immunschwäche mit weiteren Untersuchungen geprüft. Für die meisten Kinder gilt: Das ist Training.

  • „Bin ich schuld?“

    Nein. Infekte hängen nicht an „Fehlern“ in Deiner Fürsorge. Auch die gesündeste Ernährung und liebevollste Betreuung schützen nicht vor der Virenflut in der Kita.

  • „Ich halte das nicht mehr aus – was tun?“

    • Du brauchst Unterstützung, und das ist vollkommen in Ordnung. Viele Eltern kennen dieses Gefühl. Es bedeutet nicht, dass du etwas falsch machst, sondern dass die Belastung gerade sehr groß ist.

    • Sprich mit Menschen, denen du vertraust. Schon das Teilen deiner Sorgen kann entlasten.

    • Überlege auch, welche kleinen Hilfen im Alltag möglich sind, vielleicht beim Abholen, Einkaufen oder Kochen. Und vergiss nicht: Es gibt professionelle Unterstützung, z. B. durch Familienberatungsstellen, Kinderärzte oder psychologische Beratungsangebote.

    • Besonders wichtig: Senke deine Perfektionsansprüche. Dein Kind braucht keine perfekte Mama oder keinen perfekten Papa, sondern dich, so wie du bist, mit deiner Fürsorge, Liebe und Echtheit. Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.



Prävention: Was nachweislich hilft


Ganz verhindern lässt sich Krankheit nicht, aber Du kannst Rahmenbedingungen verbessern. Forschung nennt folgende wirksame Strategien:


  • Händehygiene: Regelmäßiges Händewaschen bleibt Basis. Studien zeigen, dass regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife krankheitsbedingte Fehlzeiten bei Schulkindern um etwa 33 Prozent senken kann.


  • Gesundes Umfeld in Kita und Zuhause: Ausreichend Handwaschgelegenheiten, Hustenetikette, saubere Alltagsroutinen. Das braucht Zusammenarbeit von KitaTeam und Eltern. Klare Ausschlusskriterien: Kinder mit Fieber, Erbrechen oder Durchfall sollten bis mindestens 24-48 Stunden nach Symptomfreiheit zu Hause bleiben.


  • Gute Luft ist Gesundheitsschutz: Rund 95 Prozent der Infektionen sind durch Atemwegsviren bedingt und werden primär über die Luft übertragen. Wirksam sind: regelmäßiges Lüften, angemessene Luftfeuchte und Temperatur, geringere Personendichte in Räumen und viel Zeit im Freien.

  • Impfungen: Schutz vor schweren Erkrankungen (z. B. Pneumokokken, Masern, Keuchhusten). STIKO-Empfehlungen beachten.


  • Ernährung: Wenn möglich Stillen im ersten Lebensjahr, das senkt das Risiko für Atemwegsinfekte und Hospitalisierungen. Später: ausgewogene Kost, kein Wundermittel, aber Basis für starke Abwehr.

    >>> Husten bei Kindern: Honig oder Hustensaft – Was hilft wirklich?



Was Du zu Hause praktisch tun kannst, wenn dein Kind krank ist


  • Flüssigkeit zuerst: Biete häufig kleine Mengen an. Bei Kleinkindern auf nasse Windeln achten.

  • Essen, wie es gut geht: Leichte Kost, nichts erzwingen.

  • Schmerz- und Fieberlinderung: Nach Rücksprache mit Ärztin oder Arzt, Dosierung nach Gewicht.

  • Schlaf und Nähe: Kuscheln, Tragen, Vorlesen. Nähe reguliert Stress bei Euch beiden.

  • Realistische Erwartungen: Haushalt vereinfachen, To-do-Liste halbieren. Diese Phase verlangt Fürsorge, nicht Perfektion.



Wann zum Arzt, wann direkt in die Notfallambulanz?


  • Ärztlich abklären in Kinderarztpraxis: Fieber länger als 3 Tage, deutliche Verschlechterung, Ohrschmerzen, starker Husten mit Atemnot, Anzeichen von Austrocknung, Hautausschlag mit schlechtem Allgemeinzustand, HMFK mit ausgeprägten Schmerzen oder Trinkmangel


  • Sofortige Hilfe: Blaue Lippen, Atemnot, ungewöhnliche Schläfrigkeit, Krampf, steifer Nacken, Trinkverweigerung über mehrere Stunden, bei Babys sehr wenige oder keine nassen Windeln


  • Vor dem 1. Lebensjahr ist Fieber immer ein Grund für eine ärztliche Abklärung am selben Tag



Beruf und Krankmeldungen: so navigierst Du diese Zeit


Die medizinische Seite ist das eine, die organisatorische Last das andere. Viele Eltern erleben Druck, wenn sie schon wieder im Job ausfallen. Das ist emotional fordernd. Hier helfen klare Absprachen und ein Plan B wenn möglich:


  • Offen kommunizieren: Sprich proaktiv mit Vorgesetzten über die vorübergehende Mehrbelastung im ersten Kita-Jahr. Transparenz schafft Verständnis.


  • Backup im Familiennetz: Großeltern, Freunde, Babysitter. Eine Liste mit 2 bis 3 Kontaktpersonen schafft Luft.


  • Hilfe in Anspruch nehmen: Familienberatung (viele Kostenfrei Möglichkeiten)


  • Arbeit strukturieren/anpassen, wenn möglich: Aufgaben priorisieren, Übergaben standardisieren, gibt es flexible oder mobile Arbeitszeiten?


  • Elterntandem: Schichten mit dem anderen Elternteil planen, zum Beispiel Vormittag ich, Nachmittag Du.


  • Selbstmitgefühl üben: Schuldgefühle sind häufig, aber nicht hilfreich. Du handelst verantwortungsvoll, wenn Du Dein krankes Kind versorgst.


  • Kinderkranktage und Kinderkrankengeld: Informiere dich bei deiner Krankenkasse und deinem Arbeitgeber über Anspruch und Verfahren.



Kindkrank-Bescheinigung und „Gesundschreibung“ – was Du wissen solltest


  • Wenn dein Kind krank ist, brauchst du für den Arbeitgeber oft eine Kindkrank-Bescheinigung. Diese erhältst du von der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, damit du zu Hause bleiben kannst, und Kinderkrankengeld beantragen kannst.


  • Viele Kitas wünschen sich nach einer Erkrankung eine Gesundschreibung, also ein Attest, dass dein Kind wieder gesund ist.

    • Wichtig zu wissen: Eine solche Gesundschreibung gibt es in der Regel nicht. Kitas dürfen ein Attest auch nicht routinemäßig verlangen.

    • Ärzt:innen sind dafür nicht verpflichtet, und die Zeit in den Praxen wird für die Versorgung kranker Kinder gebraucht.

    • Ob dein Kind wieder fit für die Kita ist, entscheidest du als Elternteil.

    • Nur bei besonderen Infektionskrankheiten greift das Infektionsschutzgesetz.



Für Dein Herz: Du machst das gut


Das erste Kita-Jahr kann ganz schön anstrengend sein. Vielleicht fühlst du dich erschöpft, überfordert oder manchmal auch allein gelassen. Bitte vergiss nicht: Infekte sind kein Zeichen von Schwäche, weder bei deinem Kind noch bei dir. Sie gehören zur Entwicklung dazu. Jeder Infekt stärkt das Immunsystem deines Kindes, erweitert das Immungedächtnis und macht es Schritt für Schritt widerstandsfähiger.


Im zweiten und dritten Kita-Jahr werden die Krankheitsphasen meist schon seltener, und spätestens im Schulalter haben die meisten Kinder eine stabile Abwehr, die mit den gängigen Viren gut umgehen kann.


Es ist völlig in Ordnung, müde zu sein. Es ist in Ordnung, Hilfe anzunehmen. Und es ist in Ordnung, wenn Haushalt und Arbeit in dieser Zeit nicht so laufen wie sonst.


Bitte erinnere dich: Du machst das richtig gut, jeden einzelnen Tag.






Stand: 09/2025

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