Ein Update zu COVID-19 bei Kindern (12/2025)
- Johanna

- 14. Dez. 2025
- 7 Min. Lesezeit
Die Wartezimmer der Kinderarztpraxen sind voll, viele Kinder husten, schniefen oder fiebern, und viele Eltern sind verunsichert. Ist es ein Infekt der oberen Atemwege? RSV? Influenza? Oder doch COVID-19? Ja, COVID-19 ist aktuell wieder im Umlauf.
Dieses Update soll Dir helfen, die aktuelle Lage besser einzuordnen.

Warum gibt es derzeit häufiger Covid-19 Fälle? Die aktuelle Lage
Viren lieben die kalte Jahreszeit. Menschen halten sich häufiger in geschlossenen Räumen auf, Viren haben leichteres Spiel.
SARS-CoV-2 hat sich inzwischen in die Reihe der typischen Winterviren eingereiht, neben RSV, Influenza und anderen Erkältungsviren. Die aktuell zirkulierenden Varianten (meist Omikron-Abkömmlinge) sind zwar sehr ansteckend, verlaufen bei Kindern aber in der überwiegenden Mehrheit der Fälle mild. Gerade in Kita und Schule lassen sich Infekte kaum vermeiden.
Symptome: Wie äußert sich COVID-19 aktuell bei Kindern?
Während zu Beginn der Pandemie häufig der Verlust von Geruchs- oder Geschmackssinn im Vordergrund stand, sehen wir bei den aktuellen Varianten ein deutlich breiteres, unspezifischeres Bild und ähnelt anderen Virusinfekten.
In der kinderärztlichen Praxis sehen wir vor allem:
Fieber: Häufig plötzlich, manchmal auch hoch. Temperaturen bis 40°C können bei Kindern vorkommen und sind nicht automatisch gefährlich.
Atemwegssymptome: Trockener Husten, Schnupfen, Halsschmerzen oder ein Kratzen im Hals.
Magen-Darm-Beschwerden: Kinder reagieren bei COVID-19 häufiger als Erwachsene mit Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall.
Allgemeines Krankheitsgefühl: Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, reduzierte Belastbarkeit.
Wenn Dein Kind Erkältungssymptome hat und Du einen Besuch in der Kinderarztpraxis planst, teste Dein Kind bitte vorher! Schnelltests sind heute unkompliziert in Apotheken und Drogerien erhältlich, oft als Multitests, die gleichzeitig auf COVID-19, Influenza und RSV testen. Die meisten Kinderarztpraxen führen diese Tests selbst nicht mehr durch.

Positiver Test – und jetzt? Ein Blick aus der Kinderarztpraxis.
Ein positives Testergebnis kann erst einmal beunruhigend sein, besonders, wenn Erinnerungen an die ersten Pandemie-Jahre hochkommen. Wichtig zu wissen: COVID-19 ist bei Kindern heute in den allermeisten Fällen kein Grund mehr, in Panik auszubrechen. Aus Sicht der Kinderarztpraxis ist er oft etwas ganz anderes: Er bringt Klarheit.
Wenn ein Kind Fieber hat, sind Ärzt:innen und Pflegekräfte immer aufmerksam. Unklares Fieber, also Fieber ohne erkennbare Ursache, lässt die Alarmglocken läuten, dann müssen wir genauer hinschauen, untersuchen und manchmal weitere Diagnostik einleiten.
Ein positiver COVID-19-Test kann diese Situation deutlich entspannen. Dann wissen wir, warum das Kind fiebert. Das gibt Sicherheit und hilft, den Verlauf besser einzuschätzen. In vielen Fällen sind Ärzt:innen daher eher beruhigt als beunruhigt, wenn ein Test positiv ist, weil wir das Krankheitsbild kennen und wissen, was zu erwarten ist.
Muss ein positiv getestetes Kind ärztlich vorgestellt werden?
Kurz gesagt: Nein, in der Regel nicht. Ein positiv getestetes Kind, dem es insgesamt gut geht, muss nicht automatisch vom Arzt oder der Ärztin gesehen werden. Es gibt keinen medizinischen Grund für einen Praxisbesuch.
Rote Flaggen - Wann solltest du in Kontakt mit eurer Praxis treten?
Auch wenn die Erkrankung häufig mild verläuft, gibt es Symptome die Ernst genommen werden müssen, und einer ärztlichen Untersuchung bedürfen. Gehe zur Arztpraxis wenn:
Wenn sich der Zustand Deines Kindes deutlich verschlechtert
Wenn Rote Flaggen auftreten:
Atemnot: Sehr schnelle Atmung, Nasenflügeln, Einziehungen unter den Rippen oder am Hals.
Anzeichen von Flüssigkeitsmangel: Muss nicht zur Toilette/ Keine nasse Windel seit 6–8 Stunden, trockene Schleimhäute, keine Tränen beim Weinen.
Deutlich veränderter Allgemeinzustand: Dein Kind wirkt apathisch, schwer weckbar oder „nicht wie sonst“.
Fieber bei Säuglingen:
Neugeborenes: Jedes Fieber ab 38,0°C rektal Neugeborenen
Babys < einem Jahr: 38.5°C gehört sofort ärztlich abgeklärt.
Fieber bei Kindern über einem Jahr: länger als 3–4 Tage oder erneutes Fieber nach einer fieberfreien Phase.
Wenn Du sehr unsicher bist und Rückversicherung brauchst
Bitte vertraue hier Deinem Bauchgefühl, und zögere nicht, ärztlichen Rat einzuholen.
Bitte nimm in diesen Fällen zuerst telefonisch oder online Kontakt zu eurer Kinderarztpraxis auf. Komme nicht unangekündigt mit einem positiv getesteten Kind in die Praxis. In Kinderarztpraxen werden täglich auch gesunde Kinder zu Vorsorgeuntersuchungen sowie Neugeborene und junge Babys betreut. Durch eine vorherige Absprache können alle besser geschützt werden, und das Praxisteam kann gemeinsam mit Dir entscheiden, ob und wann ein gezielter Termin sinnvoll ist und welche weiteren Schritte jetzt wichtig sind.
Ein positiver Test bedeutet also nicht automatisch „Alarm“. Er bedeutet häufig: Wir wissen, womit wir es zu tun haben.
Wie wird COVID-19 bei Kindern behandelt? So unterstützt Du Dein Kind!
Wenn der Test positiv ist oder Du COVID-19 vermutest, gilt zunächst: Ruhe bewahren. Wichtig: Ein positiver Schnelltest kann helfen, die Ursache einzuordnen, ändert aber häufig nichts an der Behandlung. Es wird das Kind mit den Symptomen behandelt.
Ein krankes Kind braucht vor allem Sicherheit, Nähe und Entlastung. Die Behandlung ist in der Regel symptomorientiert, so wie bei anderen Virusinfekten:
1. Fiebermanagement
Fieber ist keine Krankheit, sondern eine sinnvolle Abwehrreaktion des Körpers.
Schau auf Dein Kind, nicht nur auf das Thermometer: Trinkt es? Reagiert es? Hat es Interesse an seiner Umgebung?
Fieber muss nicht automatisch gesenkt werden.
Wann senken? Wenn Dein Kind leidet, Schmerzen hat oder das Trinken verweigert.
Paracetamol oder Ibuprofen sind geeignet, bitte immer gewichtsgenau dosieren.
2. Trinken, trinken, trinken
Fieber erhöht den Flüssigkeitsbedarf deutlich.
Biete regelmäßig Wasser oder milden Tee an.
Bei Babys: häufiger stillen oder die Flasche anbieten.
Praxis-Tipp: Kleine Schlucke vom Löffel oder Wassereis können helfen, wenn kaum etwas angenommen wird.
3. Nähe
Ruhe und Nähe stehen im Vordergrund.
Körperliche Nähe fördert die Ausschüttung von Oxytocin, beruhigt das Nervensystem und unterstützt die Regeneration.
Ein Hörspiel auf dem Sofa, Vorlesen oder gemeinsames Ausruhen ist oft hilfreicher als strikte Bettruhe, die viele Kinder zusätzlich stresst.
4. Bei Bedarf
Schmerzen werden bei Bedarf mit Paracetamol oder Ibuprofen gelindert.
Bei Bedarf abschwellendes Nasenspray
*Antibiotika helfen nicht, da es sich um ein Virus handelt.
Ziel ist es nicht, den Infekt „schnell zu stoppen“, sondern Dein Kind sicher und liebevoll durch die Erkrankung zu begleiten, bis das Immunsystem seine Arbeit getan hat.
Typischer Verlauf von COVID-19 bei Kindern
Der Verlauf ist bei den meisten Kindern mild und zeitlich begrenzt. Nicht jedes Kind zeigt alle Symptome.
Tage 1–2: Plötzlicher Beginn mit Fieber, Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen, Halsschmerzen. Manche Kinder haben Bauchschmerzen oder Übelkeit.
Tage 2–4: Fieber, Husten, Schnupfen, reduzierter Appetit, starkes Krankheitsgefühl. Solange dein Kind trinkt und ansprechbar ist, ist das meist normal.
Tage 4–6: Langsame Besserung: Fieber lässt nach, das Allgemeinbefinden wird besser. Husten und Schnupfen können bleiben.
Tage 7–10: Erholungsphase: Die meisten Kinder sind wieder fit, leichte Müdigkeit oder Resthusten sind möglich.
Wie ansteckend ist COVID-19 aktuell?
COVID-19 wird vor allem über Tröpfchen und Aerosole übertragen, also beim Sprechen, Husten, Niesen oder engen Zusammensein in geschlossenen Räumen, besonders wenn wenig gelüftet wird.
Die aktuellen Varianten sind sehr ansteckend, vergleichbar mit anderen Winterviren. Das bedeutet jedoch nicht automatisch schwere Verläufe.
Viele Kinder stecken sich an, noch bevor Symptome auftreten. Das lässt sich nicht vollständig verhindern und ist kein Zeichen von mangelnder Vorsicht.
Welche Vorsichtsmaßnahmen sind sinnvoll?
Heute braucht es keinen Ausnahmezustand, sondern einen pragmatischen, fürsorglichen Umgang:
Ist Dein Kind krank, sollte es zu Hause bleiben, bis es sich deutlich besser fühlt.
Regelmäßiges Händewaschen und Lüften helfen, die Ansteckungskette zu verkürzen.
Kontakte zu besonders gefährdeten Personen (z.B. sehr alten oder schwer vorerkrankten Menschen) sollten in der akuten Phase vermieden werden.
Masken können in bestimmten Situationen sinnvoll sein, sind im Alltag mit kleinen Kindern aber nicht immer praktikabel oder notwendig.
Long COVID bei Kindern
Viele Eltern sorgen sich vor möglichen Langzeitfolgen. Aktuelle Studien zeigen: Kinder sind deutlich seltener und meist weniger schwer von Long COVID betroffen als Erwachsene.
Wenn Dein Kind jedoch Wochen nach einer COVID-19-Infektion weiterhin
ungewöhnlich erschöpft ist,
sich schlechter konzentrieren kann
oder bei geringer Belastung Luftnot hat,
dann sprich Deine Kinderärztin oder Deinen Kinderarzt gezielt darauf an.
PIMS - eine sehr seltene Entzündungsreaktion, einige Wochen nach einer Corona-Infektion
Die meisten Kinder mit PIMS hatten zuvor einen milden oder unbemerkten Infekt. PIMS ist gut behandelbar, wenn es erkannt wird. Die meisten Kinder erholen sich vollständig
Neue Forschungsergebnisse zeigen: PIMS wird nicht direkt durch das Coronavirus ausgelöst, sondern vermutlich dadurch, dass eine Corona-Infektion bei wenigen Kindern das Immunsystem vorübergehend aus dem Gleichgewicht bringt. Dadurch kann ein anderes, bereits im Körper vorhandenes Virus (das Epstein-Barr-Virus) kurzzeitig wieder aktiv werden und eine starke Entzündungsreaktion auslösen.
Exkurs: Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist extrem verbreitet. Bekannt ist EBV vor allem als Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers. Rund 90–95 % der Menschen infizieren sich irgendwann im Laufe ihres Lebens mit EBV, häufig schon in der Kindheit, oft ganz unbemerkt. Viele Kinder haben keine oder nur milde Symptome, manchmal wie ein leichter Infekt.
Worauf sollten Eltern achten?
Nach einer überstandenen COVID-19-Infektion ist in der Regel keine besondere Überwachung nötig. Wichtig ist einfach, aufmerksam zu bleiben und Dein Kind ernst zu nehmen, wenn es Dir ungewöhnlich erscheint.
Bitte nimm ärztlichen Rat in Anspruch, wenn einige Wochen nach der Infektion folgende Symptome neu auftreten oder anhalten:
anhaltendes oder wiederkehrendes hohes Fieber
starke Müdigkeit oder deutliche Leistungseinbußen
Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall ohne erkennbare Ursache
Hautausschlag, gerötete Augen oder geschwollene Hände/Füße
Brustschmerzen, Herzklopfen oder Atemnot
Diese Zeichen bedeuten nicht automatisch PIMS, sollten aber ärztlich abgeklärt werden.
Fazit: Ruhe, Vertrauen und gute Begleitung
COVID-19 ist aktuell wieder Teil des winterlichen Infektgeschehens, aber es ist heute ein anderes Virus in einer anderen Situation als zu Beginn der Pandemie.
In den allermeisten Fällen erholen sich Kinder gut innerhalb weniger Tage. Vertraue auf Dein Gefühl, beobachte Dein Kind aufmerksam und hol Dir Unterstützung, wenn Du unsicher bist.
*COVID-19-Impfung bei Kindern
Die COVID-19-Impfung bei Kindern wird heute sehr viel differenzierter betrachtet als zu Beginn der Pandemie.
Für wen wird die COVID-19-Impfung empfohlen?
Eine generelle Impfempfehlung für alle gesunden Kinder gibt es nicht.
Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt die COVID-19-Impfung vor allem für:
Kinder und Jugendliche mit relevanten Grunderkrankungen, z.B.
schwere chronische Lungenerkrankungen
angeborene Herzfehler
schwere neurologische Erkrankungen
Immundefekte
Kinder, die engen Kontakt zu besonders gefährdeten Personen haben
Warum wird heute so zurückhaltend empfohlen?
Weil sich mehrere Dinge verändert haben:
Die aktuell zirkulierenden Varianten verursachen bei Kindern meist milde Verläufe
Viele Kinder haben bereits Kontakt mit dem Virus gehabt und dadurch eine gewisse Grundimmunität
Schwere Krankheitsverläufe sind bei gesunden Kindern selten
Die Impfung schützt sehr gut vor schweren Verläufen, aber nur begrenzt vor Ansteckung
Ist die COVID-19-Impfung für Kinder sicher?
Nach allem, was wir heute aus Studien und Millionen verabreichter Dosen wissen:
Ja, die Impfstoffe gelten als sicher.
Die meisten Nebenwirkungen sind mild und vorübergehend(z.B. Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen)
Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten
Die bekannten Risiken (z.B. Myokarditis) werden eng überwacht und fließen in die Empfehlungen ein
Stand: 12/2025
Meine Quellen & Lesetipps für Dich
Dieser Artikel basiert auf aktuellen Empfehlungen deutscher Fachgesellschaften:
Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) Aktuelle Stellungnahmen zu COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen.
Kindergesundheit-info.de (BZgA)
Robert Koch-Institut (RKI) Daten und Einschätzungen zur aktuellen Verbreitung von Atemwegserkrankungen.
Robert Koch-Institut (RKI):
PIMS:
Kinder- und Jugendärzte im Netz:





