Hilfe, mein Kind hat Läuse! Was Du jetzt wissen solltest
- Johanna

- 24. Juni 2025
- 5 Min. Lesezeit
Läuse sind nervig, aber gut behandelbar, und sie haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Fast alle Kinder machen das mindestens einmal durch. Wichtig ist, dass Du gut informiert bist und ruhig und gezielt handelst.

Was sind Kopfläuse eigentlich?
Kopfläuse sind kleine, flügellose Insekten, die ausschließlich auf dem menschlichen Kopf leben. Sie brauchen die Nähe zur Kopfhaut, um Blut zu saugen. Außerhalb des Haars sterben sie meist nach spätestens ein bis zwei Tagen ab.
Vor allem Kinder zwischen 4 und 11 Jahren sind von Kopfläusen betroffen, weltweit Millionen jährlich.
2. Wie werden Kopfläuse übertragen?
Durch direkten Kopf-an-Kopf-Kontakt – zum Beispiel beim Kuscheln, Toben oder beim gemeinsamen Spielen. Deswegen verbreiten sich Läuse besonders schnell in Kitas und Schulen. Übertragungen durch Mützen, Kissen oder Sofas sind sehr selten.
Kopfläuse übertragen keine Krankheiten, verursachen aber oft sozialen Stress und Scham.
Haustiere sind keine Überträger
Woran erkenne ich, ob mein Kind Läuse hat?
Das häufigste Anzeichen ist
Juckreiz, vor allem hinter den Ohren oder im Nacken. Der Juckreiz beginnt oft erst nach Wochen – einige Kinder merken gar nichts.
Graubraune frische Nissen auf der Kopfhaut. Lebende Läuse sind lichtscheu und schnell, und daher nicht so einfach zu sehen.
Teils kleine rote Punkte im Nacken, hinter den Ohren oder auf der Kopfhaut.
Am sichersten findest Du Läuse durch nasses Auskämmen mit einem Läusekamm:
Haare waschen, danach Spülung auftragen und nicht ausspülen.
Durch die Spülung können die Läuse sich nicht bewegen und das kämmen geht leichter.
Strähne für Strähne sorgfältig durchkämmen.
Den Kamm nach jedem Zug auf einem weißen Tuch abstreifen und auf Läuse oder Eier (Nissen) prüfen.
Haar ausspülen.
Farbe und Einschätzung der Läuseeier
Frisch abgelegte Eier sind gräulich bis bräunlich gefärbt und kleben sehr nah an der Kopfhaut, meist weniger als einen Zentimeter vom Haaransatz entfernt. Diese Faerbung weist darauf hin, dass sich ein Embryo im Inneren entwickelt – sie gelten daher als entwicklungsfaehig und behandlungsbeduerftig.
Leere Eihüllen, sogenannte Nissen, erscheinen weisslich bis durchsichtig. Sie befinden sich oft weiter vom Haaransatz entfernt, da sie nach dem Schlüpfen der Larve am Haar haften bleiben und mit dem Haar herauswachsen. Ein Abstand von mehr als einem Zentimeter zur Kopfhaut spricht in der Regel dafuer, dass es sich um alte, leere Hüllen handelt. Diese sind nicht mehr behandlungsbedürftig.
In Zweifelsfällen, etwa bei gräulichen Eiern mit unklarem Abstand, sollte von einer möglichen Entwicklungsfähigkeit ausgegangen und entsprechend gehandelt werden.
Behandlungsplan
Wenn bei Deinem Kind Kopflausbefall festgestellt wird, stellt sich oft schnell die Frage: Welches Mittel hilft wirklich – und brauche ich ein Rezept?
Es gibt keine Methode, die garantiert immer alle Kopfläuse sicher beseitigt. Deshalb braucht es Geduld, Ruhe und konsequentes Vorgehen, um den Befall wirksam zu behandeln.
Tag 1 - ENTDECKUNG
Behandlung mit einem geeigneten Läusemittel und anschließendes Auskämmen der Haare im nassen Zustand. (Methode siehe 3. Diagnose >>>). Kontrolliere alle Familienmitglieder.
Physikalische Mittel:
Zum Beispiel Dimeticon. Es legt sich wie ein Film über die Laus und erstickt sie. Das ist besonders wirksam, auch bei resistenten Läusen, und gut verträglich.
Neurotoxische Mittel
Z. B. Pyrethrum, Permethrin oder Allethrin. Diese wirken auf das Nervensystem der Läuse und lähmen sie.
Es gibt wirksame Mittel, und Du bekommst sie in der Regel ohne Rezept direkt in der Apotheke. Denn fast alle zugelassenen Läusemittel sind apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig. Wenn Dein Kind unter 12 Jahre alt ist, kannst Du bei deiner Kinderarztpraxis (meist direkt am Tresen ) ein Kassenrezept bekommen. Dann übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für das empfohlene Mittel. Wichtig: Das Rezept ist nicht verpflichtend, aber es kann eine finanzielle Entlastung sein.
Die Eihüllen der Läuse sind sehr widerstandsfähig – viele Mittel töten sie nicht vollständig, und es kommt auch zu Resistenzen. Führe unbedingt die zweite Anwendung und das regelmäßige Auskämmen durch!
Tag 2
Erneutes nasses Auskämmen, um zu kontrollieren ob noch lebende, ausgewachsene Läuse zu finden sind. Dann hat die Behandlung vermutlich nicht richtig gewirkt. Ein möglicher Grund kann sein, dass die Läuse unempfindlich (resistent) gegenüber dem verwendeten Mittel sind.
Tag 5
Erneutes nasses Auskämmen, um neu geschlüpfte Läuse zu entfernen.
Tag 9
Zweite Anwendung des Läusemittels, um neu geschlüpfte Läuse abzutöten, bevor diese sich vermehren und weiter verbreiten können. Danach wieder nasses Auskämmen.
Tag 13
Kontrolle durch sorgfältiges nasses Auskämmen.
Tag 17
Falls der Befall stark war: eine letzte Kontrolle durch nasses Auskämmen zur Sicherheit.
>>>Lade Dir den Behandlunsplan zum Ankreuzen und Ausdrucken herunter<<<
Hausmittel wie Mayonnaise, Essig oder Öl tauchen immer wieder als Geheimtipps auf. Auch wenn es manchmal zu Teilerfolgen kommt, sind diese Methoden nicht zuverlässig. Da pflanzliche Mittel noch nicht ausreichend untersucht wurden, lässt sich auch nichts über ihre Wirksamkeit oder mögliche Nebenwirkungen sagen.
Es ist nicht nötig die Haare sehr kurz zu schneiden. Solche Maßnahmen sind für Kinder oft belastend und bringen keinen zusätzlichen Nutzen bei der Läusebehandlung.
Wann zur Kinderarztpraxis?
Säuglingen und Kleinkindern (nicht alle Mittel sind geeignet)
Schwangerschaft/ Stillzeit
Wunde Kopfhaut/ Erkrankung der Kopfhaut
Schwere Verläufe/ häufige Rezidive (Hier könnte orale Medizin verschrieben werden)
MCS-Syndrom (Multiple Chemical Sensitivity, also eine gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen chemischen Stoffen)
Allergie gegen Chrysanthemen: Einige Läusemittel enthalten Pyrethrum oder Pyrethrine, die aus Chrysanthemen gewonnen werden. Bei der Anwendung dieser Mittel kann eine allergische Reaktionen hervorrufen werden.
Muss ich alles desinfizieren?
Nein. Du brauchst keinen Großputz, da Läuse nicht lange ohne den menschlichen Kopf überleben. Hier sind einige wichtige Maßnahmen:
Mit dem Behandlungsstart, und bei der zweiten Anwendung: Bettwäsche, Schlafanzug, Handtücher, Mützen und Kuscheltiere bei 60°C waschen.
Nach Benutzung Kämme und Bürsten heiß mit Seife ausspülen.
Nicht waschbares wie Kuscheltiere, Decken, Fahrrradhelm etc. für drei Tage in einem luftdichten Beutel lagern.
Insektensprays und Desinfektionsmittel braucht es nicht.
Darf mein Kind in die Schule oder Kita?
Mit Läusen NEIN
Nach der ersten Behandlung darf Dein Kind in der Regel wieder in die Einrichtung gehen.
Informiere unbedingt die Schule oder Kita, damit auch andere Kinder kontrolliert werden können. So lässt sich eine Verbreitung verhindern.
Informiere euer Umfeld, insbesondere Kita/Schule. Läuse sind Gruppensache!
Ein Attest über die durchgeführte Behandlung ist nicht vorgeschrieben und kann durch die Eltern ausgestellt werden. Ob dies schriftlich oder mündlich geschehen soll, richtet sich nach den Vorgaben vor Ort.
Und wenn es wiederkommt?
Das passiert leider oft, manchmal liegt es an:
vergessenen Eiern im Haar
falscher Anwendung der Mittel (zu wenig, zu kurze Einwirkzeit)
vergessene Zweitbehandlung
nicht behandelten Kontaktpersonen
Resistenzen
Kontaktiere eure Kinderarztpraxis und lasst Euch beraten.
So läuft der Lebenszyklus einer Kopflaus ab
Der Lebenszyklus einer weiblichen Kopflaus dauert etwa drei bis vier Wochen. Die Männchen leben nur 2-3 Wochen. Nachdem ein Weibchen ihre Eier (Nissen) nahe an der Kopfhaut abgelegt hat, schlüpfen nach etwa sieben bis zehn Tagen die jungen Läuse. Diese entwickeln sich innerhalb von acht bis zwölf Tagen durch mehrere Stadien zu geschlechtsreifen adulten Läusen. Ab dem zwölften bis fünfzehnten Tag können sie selbst wieder Eier legen, etwa vier bis acht pro Tag, insgesamt bis zu 300 im Laufe ihres Lebens.
Fazit: Du bist nicht allein!
Läuse sind nervig, aber gut behandelbar. Zeig Deinem Kind, dass es nichts falsch gemacht hat. Es braucht jetzt Deine Ruhe und Zuversicht – kein Drama.
Mit etwas Geduld und dem richtigen Vorgehen werdet ihr die kleinen Krabbler bald wieder los.
Stand: 06/2025
Quellen:





